Fallstudie

LM Services

Ein Dienstleistungsbetrieb im Raum Zwickau/Werdau hatte eine Website, die nie fertig geworden war. Was daran das eigentliche Problem war – und was sich konkret geändert hat.

Die Ausgangslage

LM Services ist ein Dienstleistungsbetrieb im Raum Zwickau/Werdau in Sachsen. Umzüge und Logistik, Terrassenbau, Grundstückspflege, Kleinreparaturen, Entsorgung. Inhaber ist Lukas Müller, der Betrieb arbeitet für Privatkunden und Firmen.

Die alte Website lief über einen Homepage-Baukasten. Das ist erst einmal keine schlechte Entscheidung – für den Anfang ist ein Baukasten oft genau richtig. Das Problem war ein anderes: Die Seite war einmal aufgesetzt und dann liegengeblieben. Und Baukästen machen es leicht, das nicht zu merken.

Weil die alte Seite nicht mehr online ist, stützt sich die folgende Beschreibung auf den letzten Schnappschuss im Internet Archive vom 28. November 2024. Was dort zu sehen ist:

  • Der Seitentitel lautete „Start | My Site 1" – der Standardname, den der Baukasten beim Anlegen vergibt. Das ist der Text, der im Browser-Tab steht und den Google als Überschrift im Suchergebnis anzeigt.
  • Im Kopfbereich stand keine Telefonnummer. Sie war ausschließlich im Fußbereich zu finden, nach der gesamten Seite.
  • Der Bereich für Kundenstimmen enthielt noch den Beispieltext des Baukastens.
  • Die Copyright-Zeile im Fußbereich nannte 2022 – bei einer Aufnahme von Ende 2024.

Nichts davon ist ein Vorwurf an den Betrieb. Wer den ganzen Tag Umzüge fährt und Terrassen baut, kontrolliert abends nicht den Seitentitel seiner Website. Genau das ist der Punkt: Ein Baukasten liefert eine Seite, die aussieht, als wäre sie fertig – und schweigt darüber, was noch offen ist.

Vorher

Startseite der alten Baukasten-Website von LM Services: Kopfzeile mit Logo, fünf Menüpunkten und einem Preisanfrage-Button, darunter ein großes Foto eines beladenen Transporters. Keine Telefonnummer, keine Überschrift.

Nachher

Startseite der neuen Website von LM Services: Kopfzeile mit Telefonnummer und Anruf-Symbol, Menüpunkt Karriere, darunter die Überschrift „Ihr Projekt. Unsere Verantwortung.“ und ein Anfrageformular mit Auswahl der Dienstleistung.
Startseite am Rechner, jeweils der erste Bildschirm. Die Vorher-Aufnahme stammt aus dem Internet Archive, Schnappschuss vom 28. November 2024.

Der Beleg, um den es eigentlich geht

Ein Detail sagt mehr über das Problem aus als jede Designkritik. Im Bereich „Kundenstimmen" stand nicht die Bewertung eines Kunden, sondern der Beispieltext, den der Baukasten dort ab Werk hinterlegt:

„Ich bin eine Kundenbewertung. Klicken Sie mich an, um mich zu bearbeiten und Text hinzuzufügen." – Christina Weber

Vorher

Bewertungsbereich der alten Website: drei leere Kacheln, in der mittleren steht der Beispieltext des Baukastens „Ich bin eine Kundenbewertung. Klicken Sie mich an, um mich zu bearbeiten und Text hinzuzufügen.“ mit dem erfundenen Namen Christina Weber.
Der Bewertungs-Slider der alten Seite. Internet Archive, 28. November 2024.

Christina Weber existiert nicht. Der Name gehört zum Beispieltext. Für Besucher, die das erkennen, ist die Wirkung ungünstiger als gar keine Bewertungen: Ein Betrieb, der sich auf der eigenen Website eine Kundin ausdenkt, macht keinen vertrauenswürdigen Eindruck – auch wenn er das nie vorhatte und den Text schlicht übersehen hat.

Solche Reste sind der eigentliche Nachteil von Baukästen. Nicht die Technik, nicht das Design. Sondern dass niemand hinsieht, wenn das Aufsetzen einmal erledigt ist. Wenn Sie noch grundsätzlich abwägen, hilft die ehrliche Gegenüberstellung von Baukasten und eigener Website.

Das Ziel

Der Auftrag war nicht „etwas Moderneres". Er war konkreter, und er hatte zwei Teile.

Erstens: Anfragen. Die Website sollte aufhören, eine digitale Visitenkarte zu sein, und anfangen, ein Weg zum Betrieb zu werden. Für jemanden mit einem Umzug in vier Wochen genauso wie für jemanden, der kurzfristig eine Beräumung braucht.

Zweitens: Mitarbeiter. Ein wachsender Betrieb braucht Leute, und Bewerber schauen sich vorher an, wo sie anfangen. Dafür gab es keine Seite.

Die Umsetzung

Die Seite wurde vollständig neu gebaut – eigene Entwicklung statt Baukasten. Das war weniger eine technische als eine praktische Entscheidung: Was selbst gebaut ist, lässt sich an jeder Stelle ändern, und es gibt keine Bausteine mehr, die Beispieltexte mitbringen.

Der Weg zum Anruf

Die Telefonnummer steht jetzt in der Kopfzeile, auf jeder Seite, mit Anruf-Symbol daneben. Auf dem Handy ist sie ein Tippen entfernt. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist die Änderung mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung – Dienstleistungskunden rufen an, sie schreiben keine E-Mails.

Anfragen dort, wo der Besucher ankommt

Im ersten Bildschirm steht ein kurzes Formular: Dienstleistung auswählen, Wunschtermin angeben, absenden. Wer weiß, was er will, muss dafür nirgendwo hinklicken. Darunter erklären drei Schritte, was nach dem Absenden passiert – Anliegen schildern, Einschätzung erhalten, Termin abwarten. Die häufigste unausgesprochene Frage vor einer Anfrage ist „worauf lasse ich mich hier ein", und die lässt sich beantworten.

Leistungen einzeln statt als Block

Umzüge und Logistik, Terrassenbau, Grundstückspflege, Kleinreparaturen, Entsorgung – jede Leistung hat einen eigenen Abschnitt mit eigener Beschreibung. Vorher standen sie als Sammelbegriff auf einer Seite. Getrennt kann jede Leistung für ihre eigene Suche antreten; als Block konkurriert alles mit allem.

Echte Arbeiten statt Symbolbilder

Der Referenzbereich zeigt abgeschlossene Projekte des Betriebs. Fotos der eigenen Arbeit verkaufen besser als jedes gekaufte Bild, und sie sind der einzige Beleg, den ein Interessent vor dem ersten Gespräch überhaupt prüfen kann.

Eine eigene Karriereseite

Aus fünf Menüpunkten wurden sechs. „Karriere" ist dazugekommen – eine eigene Seite für Bewerber, mit eigener Ansprache. Das war der zweite Teil des Auftrags und gleichzeitig der Teil, der sich am schnellsten auszahlt, wenn er gebraucht wird.

Vorher

Kopfbereich der alten Website auf dem Handy: Logo, fünf kleine Menüpunkte und ein Preisanfrage-Button, darunter ein Foto. Eine Telefonnummer ist nicht zu sehen.

Nachher

Kopfbereich der neuen Website auf dem Handy: Logo, ein runder Anruf-Button und das Menüsymbol, darunter die Leistungen als antippbare Schaltflächen und die Überschrift „Ihr Projekt. Unsere Verantwortung.“
Kopfbereich auf dem Handy. Beide Ausschnitte zeigen dieselbe Höhe in Bildschirmpunkten, damit der Vergleich trägt. Der runde Anruf-Button in der Nachher-Aufnahme ist neu.

Das Ergebnis

Der Vergleich Punkt für Punkt:

  Vorher Nachher
Seitentitel „Start | My Site 1" Betriebsname und Leistung
Telefonnummer nur im Fußbereich in der Kopfzeile, antippbar
Anfrageweg Button zu einer Unterseite Formular im ersten Bildschirm
Kundenstimmen Beispieltext des Baukastens echte Bewertungen
Leistungen gesammelt auf einer Seite fünf eigene Abschnitte
Für Bewerber nichts eigene Karriereseite
Technische Basis Homepage-Baukasten eigene Entwicklung

Was die Zahlen sagen – und was nicht

In meinem eigenen Audit stieg der Wert der Seite von 39 auf 79 von 100 Punkten. Wichtig zur Einordnung: Das ist meine eigene Checkliste, kein Wert eines externen Anbieters und schon gar kein Ranking. Er misst, wie viele der Punkte erfüllt sind, die eine Website erfüllen sollte – nicht, auf welchem Platz sie bei Google steht.

Nachprüfbarer ist der Lighthouse-Bericht von Google. Für die neue Seite am Rechner, gemessen am 11. August 2026:

Lighthouse (Desktop) Wert
SEO100 / 100
Best Practices100 / 100
Barrierefreiheit90 / 100
Performance77 / 100

Die 77 bei der Performance ist kein Glanzwert, und ich lasse sie so stehen. Das größte Bild im ersten Bildschirm braucht 3,3 Sekunden – daran arbeite ich noch. Wer eine Fallstudie liest, in der alles bei 100 steht, sollte misstrauisch werden.

Was ich hier bewusst nicht behaupte: dass die Website Umsatz gebracht hat. Ein Relaunch schafft die Voraussetzung für Anfragen, mehr nicht. Was danach kommt – Google-Unternehmensprofil, Bewertungen, Erreichbarkeit – entscheidet mindestens genauso viel. Wer Ihnen nach vier Wochen Umsatzzahlen zuschreibt, rechnet Ihnen etwas vor.

„Mega – bin ultra Happy!"

Lukas Müller, Inhaber, LM Services

Wie ich solche Projekte abschließe

Am Ende jedes Projekts steht ein Durchlauf, der nichts mit Technik zu tun hat und trotzdem der wichtigste ist: Telefonnummer anrufen. Formular abschicken. Nachsehen, ob die Mail wirklich im Postfach ankommt und nicht im Spam liegt. Auf einem echten Handy, über Mobilfunk, nicht im Entwicklerbrowser.

Eine technisch einwandfreie Website mit einem Kontaktweg, der ins Leere läuft, bringt exakt null Anfragen – und niemand beschwert sich darüber, weil niemand durchkommt. Deshalb wird das geprüft, bevor eine Seite online geht.

Was in einem solchen Projekt sonst noch zählt, steht auf der Seite Websites für Handwerksbetriebe. Die Kostenfrage beantwortet die Seite Was kostet eine Website.

Die Website von LM Services ansehen → (öffnet in neuem Tab)

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